Die Walcker-Orgel in Seligenstadt
Klangvoll ertönt die Königin der Instrumente nicht nur im Gottesdienst. Die Walcker-Orgel in der evangelischen Kirche konnte 2024 auf ihr 60jähriges Bestehen zurückblicken und bekam zu diesem Anlass ein besonderes Geschenk, drei neue Register.
Die Pfeifenorgel hatte ursprünglich 13 Registern und 650 Pfeifen. Die kleine zwei-manualige Orgel, die als sehr charaktervolles Instrument beschrieben wird, verfügt über einen sogenannten „Werkaufbau“ als neuer Typus, nach historischen Vorbildern. Dies gilt als wichtige und bleibende Errungenschaft der 60er Jahre. Sie wurde, wie jedes Instrument, individuell an die lokalen Gegebenheiten angepasst; der relativ kleine Kirchenraum an der Aschaffenburger Straße stellte eine besondere Herausforderung dar. Um eine akustische Überlastung zu vermeiden, sind die Prinzipalregister, die das Rückgrat einer jeden Orgel bilden, zurückgenommen worden. Die Anzahl der Aliquoten, die Obertöne verstärken und gebündelt als sogenannte Mixturen die Klangkrone bei feierlichen Orgelwerken bilden, war ebenfalls reduziert. Dafür rückten die flötigen Register in den Vordergrund.
Die Orgel wurde in den Jahren 1996, 2012 und 2016 bereits in Teilen überholt und anlässlich ihres Jubiläums 2024 um ein Prinzipalregister Oktave 4‘ und eine zusätzliche Aliquote, eine sogenannte Sesquialtera erweitert. Sie hat jetzt 15 Register und etwa 1000 Pfeifen. Außerdem ist im Pedalwerk eine 4-Fuß-Flöte gegen ein Posaunenregister getauscht worden. Das gibt mehr Klangfülle und erlaubt mehr Vielfalt bei der Auswahl von Musikliteratur. Die Federführung dieses Projekts lag in den erfahrenen Händen des Amöneburger Orgelbauers Kilian Gottwald. Die große Windlade und einige andere Teile gingen nach Dresden in die Werkstatt von Jehmlich Orgelbau, die auch den Wiederaufbau übernommen hat. Sie restaurieren unter anderem auch die bekannten Silbermann Orgel. Die klangliche Abstimmung erfolgte abschließend durch Kilian Gottwald.
Die Orgel im Detail:
Hauptwerk C-g‘‘‘ (56 Tasten):
Prinzipal 8‘
Oktave 4‘
Rohrflöte 8‘
Spitzflöte 4‘
Waldflöte 2‘
Mixtur 4fach
Sesquialtera 2fach
Tremulant
Rückpositiv C-g‘‘‘, (56 Tasten):
Quintade 8‘
Koppelflöte 4‘
Prinzipal 2‘
Sifflöte 1 1/3
Krummhorn 8‘
Tremulant
Pedal C-f‘ (30 Tasten)
Subbaß 16‘
Spitzgedackt 8‘
Posaune 8‘
3 Normalkoppeln: I-II; RP-Ped; HW-Ped; mechanische Spiel- und Registertraktur